Ferien vom Krieg in der Oase des Friedens -Teil II
Beim Gespräch mit der Armee hatte ich etwas Angst
Die Kinder sollten am Sonntag, 23.7.06, kommen, aber ihre Einreiseerlaubnis wurde nicht ausgestellt. So mußten wir alles um einen Tag verschieben. Wir erhielten die Scheine Sonntagnacht, so rief ich Aziz an und sagte ihm o.k. und sie kamen am Montag. 24.Juli.
Ich hatte etwas Angst beim Gespräch mit der
Armee....Ich machte das zum ersten Mal. Ich mußte
das ‚misrad heterim’ anrufen, das Armeeamt für
Erlaubnisse. Ich war wirklich nervös. Ich erklärte
das Lager und was wir tun. Sie waren nicht sehr
ermunternd und ich bekam das Gefühl, daß es nicht
klappen wird, weil es zu viele Kinder sind. Ich
arbeitete für dieses summercamp zwei Monate lang und
wußte die ganze Zeit bis zur letzten Nacht nicht, ob
es überhaupt stattfinden wird. Bis zum Ende rief ich
sie immer wieder an, bettelte, versuchte, daß sie
sich traurig fühlen, versuchte, daß sie ein Gefühl
für diese Kinder bekommen.... In der letzten Nacht
riefen sie an und sagten, o.k. du bekommst die
Erlaubnis. Ich war so glücklich... aber ich dachte,
ich werde es erst glauben, wenn ich die Kinder hier
ankommen sehe.
Weil die Kinder unter 16 sind, brauchen sie keine Einreiseerlaubnis, aber sie brauchen Begleiter und die brauchen Erlaubnis. Keiner von den Begleitern erhielt eine Erlaubnis bis auf ein Mädchen. Dann starb ihr Vater und sie konnte nicht kommen. So hatten sie schließlich überhaupt keine Begleiter. Wir erfuhren dies erst am checkpoint, als wir zu ihrer Begrüßung dorthin kamen. Da sagten wir ihnen, gut, wir werden eure Begleiter sein.
Sechzehn checkpoints
Wir kamen zum Anata checkpoint in Jerusalem mit
einem Bus aus Israel. Die Kinder kamen in ihrem Bus
und wir brachten sie zu dem israelischen Bus. Ich
wußte zum Teil nicht, wie ich das machen sollte, und
so war ich richtig aufgeregt. Die Kinder, 10 bis
zwölf Jahre alt, waren zuhause um 8 Uhr morgens
abgefahren und kamen am Anata-Checkpoint um 2 Uhr
nachmittags an (normalerweise nur eine Stunde
Fahrt). Die jüngeren Kinder waren richtig erschöpft
und vielleicht auch verängstigt, alleine, ohne ihre
Begleiter zureisen. Ich wartete mit vier anderen
Gruppenleitern auf sie in Anata – aber um dort
hinzukommen, mußten sie vorher 16 checkpoints
passieren. Sie wurden untersucht, sogar am Körper!
Sie sind doch Kinder!
Wir kamen, sahen sie und brachten sie in unseren Bus... Was war ich nervös... Ich dachte, Oh, mein Gott! Wo bin ich da hineingeraten? Das ist mehr, als ich schaffen kann... und ich erwartete, daß die Kinder verängstigt und ruhig wären, aber sie waren wirklich warm und lieb. Sie kamen, setzten sich zu mir und gaben mir ein gutes Gefühl.... Ich merkte, daß sie nicht mehr verängstigt waren und fühlte mich wohler. Dr Bus fuhr ab und sie waren wirklich aufgeregt. Es war das erste Mal, daß sie aus ihrem Dorf fort waren... Auf unserem Weg sahen wir eines dieser doppelllangen Busse mit flexibler Verbindung in der Mitte. Da waren sie wirklich aufgeregt: Schau! Schau doch hin! – Diese einfachen Sachen erregten sie sehr. Wir kamen in das Dorf (NSH/WAS) und zur Grundschule, wo die Kinder und ihre Gruppenleiter während der ganzen Woche schliefen.
Wir hatten zwei Klassenräume zum Schlafen, zwei Klassenräume für die Kunstarbeiten, einen Raum als Büro der Gruppenleiter, die Toiletten der Turnhalle und die Turnhalle selbst für den Sport mit den Kindern... So hatten wir uns ein warmes und nettes Lager gebaut. Alles war fertig, bevor die Kinder kamen. Die Gruppenleiter und ich reinigten und bereiteten alles vor für ihre Ankunft.
Ibrahim Haj Yehia, der die Grundschule von NSH/WAS als Kind besucht hatte.Vor fünf Jahren sind sie hergezogen. Er ist nun 19. Taj Rizik, der 17 ist, ist hier aufgewachsen. Sama Daoud, nun 18, ebenfalls hier aufgewachsen, wie auch Natalie Boulos, meine jüngere Schwester, die 18 ist. (eine Liste aller Mitwirkenden findet sich am Ende).