Ferien vom Krieg in der Oase des Friedens -Teil I
Eine Woche Sommervergnügen für Kinder aus Flüchtlingslagern in Tulkarem, Jenin und Yaabad, angeregt und finanziert von der Bruno-Hussar-Stiftung Deutschland.
Ein Interview am 1.August 2006 mit Ranin Boulos, Leiterin des Ferienlagers, von Howard Shippin, redigiert von Deb Reich.
Ranin Boulos, 22 Jahre, Tochter von Rita und Daoud Boulos, geboren und aufgewachsen in NSH/WAS, zur Zeit Studentin an der City University London, kam vor zwei Monaten nachhause um den Sommer im Dorf zu verbringen. Ahmad Hijazi, Leiter des Humanitären Hilfsprogramms in NSH/WAS, klopfte gleich bei ihr an und fragte sie, ob sie die Verantwortung für eine Woche Sommerferien für palästinensische Kinder aus notleidenden Familien in Flüchtlingslagern in Tulkarem und Umgebung übernehmen wolle. Ahmad erzählte, daß Aziz, Clubleiter in Tulkarem, anfangs bemerkte, daß er nur mit großer Mühe die Eltern überreden konnte, ihre Kinder ins Lager zu senden, da sie gehört hatten, daß auf Israel Katyuscha-Raketen fallen und es dort sehr gefährlich sein müsse. „Ich mußte lachen“, sagte Ahmad ironisch, „ wenn man bedenkt, daß diese Familien im Flüchtlingslager von Tulkarem leben, wirklich zu keiner Zeit die sicherste Umgebung.“ Hier kommt nun Ranins Bericht vom Erlebnis ihres Ferienlagers.
Ich kam für den Sommer von London nachhause und Ahmad sagte mir, daß es Geld von der Bruno-Hussar-Stiftung für das Dorf gebe, um etwas für palästinensische Kinder zu machen. Aus dem Dorf hatte sich dafür noch niemand gemeldet, so fragte er mich und ich sagte ja.
Wenn du ein großes Essen vorbereitest, verbringst du den ganzen Tag mit Einkaufen, Kochen, Saubermachen, Tischdecken – all diese Arbeit, und wenn dann der Spaß kommt und du mit den Leuten sitzt und ißt, ist alles so schnell vorbei. Dann denkst du: ‚Für 10 Minuten Essen hast du stundenlang gearbeitet.’ So ähnlich fühlte ich mich am Ende des Sommerlagers.
Ich habe für das Projekt fast zwei Monate gearbeitet, habe um die Einreiseerlaubnis für die Kinder gekämpft, mich um die Versicherung bemüht, die Gruppenleiter, Schlaf- und Essensplätze, die Aktivitäten, Ausflüge... und als es dann wirklich begann, lief alles so schnell! Ich kann noch gar nicht glauben, daß es schon vorbei ist. Ich wünsche, es wäre nicht.
Ahmad kennt jemand dort, Aziz, von einer Organisation, die Kindern in Not hilft. Sie haben Sommerlager schon vorher veranstaltet, aber dies war zum ersten Mal innerhalb Israels....
Die Kinder sind alle von Flüchtlingslagern, entweder Tulkarem, Yaabad oder Jenin. Sie alle kommen aus einem schwierigen und schmerzlichen Milieu, sozial und wirtschaftlich. Einige von ihren Vätern waren Shaheeds (sog. Märtyrer der Intifada). Einige haben Väter im Gefängnis. Von einigen sind die Väter erschossen worden. Keine Kinder mit einem normalen Hintergrund.